Eine meiner frühesten und prägendsten Erinnerungen ist das Erlebnis, im Garten meiner Eltern Brombeeren zu zerdrücken, um daraus meine ersten eigenen Farben zu gewinnen. Neben meinem farbenfroh bemalten Gartenhaus begann ich, Farbe nicht nur als visuelles Phänomen, sondern als lebendige, fühlbare Substanz zu begreifen. Damals spürte ich zum ersten Mal, dass Farbe ein Träger von Emotion ist – eine Sprache, die dort beginnt, wo Worte enden.
Schon als Kind suchte ich spielerisch nach Wegen, Farben zu verwandeln, zu verdichten, sie einander entgegenzusetzen – mit Filzstiften auf Klebeband, durch Schichtung und Druck. In dieser intuitiven Forschung entdeckte ich, was mich bis heute antreibt: das unermüdliche Streben, Gefühl sichtbar zu machen.
Im Zentrum meines Schaffens steht das Wechselspiel von Licht und Schatten – nicht nur als formale Gegensätze, sondern als Spiegel innerer Bewegung: Verletzlichkeit und Kraft, Nähe und Rückzug, Schmerz und Zärtlichkeit. Diese Spannungen sind für mich Ausdruck der menschlichen Gefühlswelt – und Ausdruck von Liebe. Denn Liebe in all ihren Facetten ist der Grundton meines künstlerischen Denkens: als Sehnsucht, als Wärme, als Kontrast, als leiser Widerhall in der Dunkelheit.
Ölfarbe ist mein Medium, weil sie Tiefe zulässt – zeitlich, emotional, materiell. In ihren Schichten, Lasuren und Strukturen offenbart sich das, was nicht sofort greifbar ist: das Verborgene, das Ungesagte, das, was zwischen den Dingen liegt.
Meine Bilder sind keine Erzählungen, sondern Räume: offen, mehrdeutig, durchlässig für die Gefühle der Betrachtenden. Ich möchte keine Antworten geben. Ich möchte Resonanz schaffen. Ein Innehalten. Eine Verbindung.
Ich glaube daran, dass Kunst dann berührt, wenn sie aus Liebe gemacht ist – und wenn sie den Mut hat, sich ganz dem Licht wie auch dem Schatten zu stellen.
Manuel Martin